Demokratie (Gedicht)

Ich sitze hier mit einem kalten Gingerale in der Hand

Lächelnd, die Vergangenheit bedenkend.

Sie ist tot, die bestialische Geliebte eines Jahrhunderts

Ihr blutigen Hände liegen unter der Erde

Sie waren mehr, die Gläubigen an die Reduzierbarkeit des Lebens auf Entscheidungsprinzipien

 

Verstärkt von Millionen Repräsentant*innen

Ich selbst wollte das Volk in eine glorreiche Zukunft bringen

„Wir sind die Guten, wenn wir an die Macht kommen.“

König*innen, Führer*innen, Abgeordnete, Generalsekretär*innen

 

Warmer Wind an diesen Sommertag

Leben besteht aus Erfahrungen

Die Lüge ist nicht mehr

Von Athen bis in den Bundestag – warum haben wir so lange daran festgehalten?

Von den Sklav*innenplantagen bis zu den Knästen

Demokratismus – es fühlt sich großartig das Gift los zu sein.

Akivist*in, Politiker*in war ich das?

Da ist immer noch die Angst, sie könnte zurückkehren

Ich hoffe die nächste Generation lacht nur noch über die Absurdität

„Meine Werte sind was die Mehrheit denkt“

„Wir sind das Volk.“

Nein, ich selbst bin eine Föderation uneinheitlicher Kräfte

Nie wieder Demokratie!

Satt (Geschichte)

Sema wachte von Kälte umhüllt auf. Sie streifte ihr Decken ab. Das Erste was sie bemerkte war, dass ihre Tüten verschwunden waren. In ihnen hatte sie ihr Habseligkeiten transportiert: Eine weitere Decke und zwei Bücher. Außerdem hatte sie noch Pfandflaschen vom Vortag dabei gehabt. Jetzt waren sie weg. Sie verzweifelt nicht, aber sie fühlte sich ein Stück schwächer. Es war nicht das erste Mal, dass sie bestohlen worden war.
Leicht schwankend stand sie auf, ihre Beine füllten sich wie gefroren an.  Sie bewegte ihre Füße in kleinen Schritten, um Wärme in sie zu bekommen. Andauernde Schmerzen waren seit Wochen ihre Begleiter*innen. Sie versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren, da spürte sie ihren Magen. Der unterdrückte Hunger der letzten Tag, schob sich in den Bereich des Unignorierbaren. Sie griff in ihre Hosentaschen, fand und berührte die paar Geldstücke, die sie noch besaß.
Der Entschluss sie erstmal nicht auszugeben fiel in die klaffende Leere ihres Inneren und verschwand dort. Gestern war ihr zeitweilig schwarz vor Augen gewesen. Sie musste essen, für ein Brot sollte es reichen.
Immer noch unsicher auf den Beinen macht sie sich auf den Weg. Die Umgebung schien ihr fremd, sie erkannte die Gebäude nicht wieder. Und die Straßen waren bis auf einige Fußgänger*innen größtenteils leer und anscheint auf einmal einspurig. Das musste ihr Hunger und die Müdigkeit sein, die ihr etwas vorgaukelten.

Die Feuchtigkeit des Morgennebels zog weiter in ihre abgetragenen Kleidungsstücke, das Frieren hörte nicht auf. Noch mehr Merkwürdiges: Einige der Geschäfte, die sie kannte, fehlten. An der Stelle an der sie vorbei lief war eigentlich eine Bank, sie erinnerte sich gut daran: Dort drinnen hatte sie mal geschlafen. Und die Straßen waren wirklich nur einspurig, daneben war überall Grün. Und was waren das für Schienen auf der Straße?
Sie schloss die Augen und öffnete sie wieder, aber alles bliebt wie vorher. Als sie die Innenstadt erreicht, wurde alles noch viel seltsamer. Sie sah kaum Geschäfte. Und nirgendwo gab es Werbung. Alle Orte waren voller Bänke, Tische, Steine zum sitzen und an Orten, wo eigentlich gepflasterte Plätze sein sollte waren kleine Parks.
Und dann die Menschen. Sie starten sie an. So früh am Morgen waren diese eigentlich normalerweise mit sich selbst beschäftigt, doch hier wurde sie dauernd gefragt was ihr passiert sei und ob man ihr helfen könne. Sie schwieg, gerade hatte sie keine Lust auf Almosen und darauf das Ego selbstgerechter Arschlöcher zu befriedigen.
Es wurde derart viel, dass sie anfing Allen auszuweichen, die in ihrer Nähe vorbeikämen. Nicht weit weg gab es eine Bäckerei in der Obdachlose oder zumindest alle, die so aussahen wie man sich eine*n Obdachlose*n vorstellte nicht einfach rausgeschmissen wurden, anders als in vielen der Supermärkte hier.

Sie erreichte die Bäckerei und trat ein, ein junger Verkäufer stand hinter den dem Glastresen, der gefüllt war mit frischem Brot. Er füllte gerade einige der Fächer auf. Als er damit fertig war, sprach sie ihn an: „Ich hätte gerne eines von den Graubroten.“ Er sah sie verdutzt an.
„Dann nimm dir doch eins.“ Erst starrte sie ihn an, dann blickte sie erneut auf den Tresen. Statt der üblichen festen Glasscheiben befanden sich dort Klappen und davor lagen Zangen an, die an Schnüren befestigt waren. War die Bäckerei zu einen Selbstbedienungsgeschäft umgebaut worden?
Oder hast du Probleme mit den Händen?“ Sie schwieg und starrte.
„Ist bei dir alles in Ordnung? Ok, ich packe erst mal ein Brot ein.“ Er griff nach einer der Tüten, die an Hacken zwischen den einzelnen Klappen hingen. „Ich nehme mal du hast kein eigenes Behältnisse dabei und willst das ganze Brot auch nicht auf einmal essen?“ Sie nickte sprachlos.
Hier.“ Er reichte ihr das Brot. „Wirklich, alles ok?“. Die Übergabe des Brotes brachte auch ihre Gedanken zurück. Ja, bei mir ist alles in Ordnung.“ Bloß nicht, dass er noch irgendwen rief: Einen Krankenwagen oder die Polizei.
Sie nahm das Brot entgegen und umfasste die Münzen in ihrer Hose.  Wie viel macht das?“ „Du meinst wie das Brot gemacht wird?“ Sie zog die Münzen hervor. „Ich meine wie viel muss ich bezahlen.“ Er blickte sie verständnislos an.
Sie legte einen Großteil der Münzen auf den Tresen: „Reicht das?“ Sein Blicke drückten weiter Unverständnis aus: „Reicht wofür?“ Er betrachte die Geldstücke näher: „Also wir brauchen kein Metall, um das Brot zu machen. Ich meine zumindest nicht solches. Bleche oder Messer sind schon aus Metall. Aber, dass sollte mensch schon an den meisten Orten lernen. Kommst du vielleicht aus den Wald. Es soll ja einige Leute geben, die lieber ohne viel Technik leben oder von einen der Höfe im Umkreis der Stadt. Obwohl, dort müssten sie auch Brot backen…“
Sie war vollkommen irritiert. Falls du lernen willst wie Brot hergestellt wird, ich habe heute nicht wirklich Zeit dafür. Aber heute Abend gibt es hier einen Kurs, ich weiß aber nicht, ob es da feste Termine gibt wo neue Menschen dazukommen können.“ Kurs? Lernen Brot zu backen, wovon sprach er? Ihre Gedanken überschlugen sich und erstarrten zugleich. In lauten Tonfall antwortet sie: Nehmen sie einfach mein Geld oder ist es ihnen nicht gut genug?“ Ruhig antwortet er: „Geld? Magst du mir das Wort einmal erklären?“
Wie konnte jemand, der in einer Bäckerei arbeitet nicht wissen was Geld bedeutet?! Er wollt sie verarschen. Sie nahm noch einmal die Münzen in die Hand und knallte sie auf den Tisch. „Wenn dir mein Geld nicht gut genug ist, werde ich…, ich das hier“, sie winkte mit dem Brot „Halt einfach mitnehmen.“ Kurzes Schweigen, dann kam die Antwort: „Aber dafür ist es auch da. Ganz ehrlich mir geht es gerade nicht so gut, ein Mensch der mir wichtig ist und zwischen uns…. Also es wäre schön, wenn du etwas ruhiger reden könntest. Das tut mir gerade nicht so gut, wenn Andere so laut sind. Brauchst du denn noch was anderes?“
Sie nahm das Brot, zog die Münzen wieder an sich und ging. Dabei beschleunigte sie ihre Schritte immer mehr, falls er die Bullen rief. Nach einigen Metern ließ sie das Brot unter ihrer Jacke verschwinden. Sie wanderte weiter durch die Straßen und achtet tunlichst drauf allen Kontakt mit anderen Menschen zu vermeiden.

Weiterhin wirkte die Stadt vollkommen verändert. Das war komisch gewesen, nein verstörend. Nebel schloss sich eng um sie, dann war wieder alles gewohnt: Der Abgasgeruch des morgendlichen Verkehrs erfüllte ihre Nase. Die Menschen liefen eilig in die Läden. Wo Grün gewesen war befand sich Asphalt.
Sie hatte halluziniert, nun war sie sicher: Das musste ja irgendwann passieren. Sie griff nach dem Brot: Es war noch da. Wenigstens das ist real. Ihr Hunger, der im Hintergrund geknurrt hatte, meldete sich nun laut bellend zurück. Aus einer ihrer Jackentaschen nahm sie ein Messer und schnitt ein Stück von dem Laib. Sie führte es zum Mund, es war ziemlich gut. Ihr Magen fühlte sich rasch und das erste Mal seit Tagen wich der Schmerz des Hunger einem Gefühl von Sättigung.

Einige Stunden später kam Henry in den Laden. Lu sah Henry müde an: “Magst du dich um die restliche Schicht kümmern? Mir geht es heute nicht so gut: Dark und ich wissen nicht mehr, ob wir uns noch so nah sein können und wollen. Unsere Gespräche waren ziemlich anstrengend und es macht mich ziemlich traurig. Außerdem bin ich heute Morgen fast angeschrien worden, das hat sich nicht so gut an gefühlt.“
Klar, ruhe dich mal aus. Falls du Lust hast noch vorbeizukommen, ich wollte nachher noch in den Gemeinschaftsraum in der Apfelstraße. Habe gehört einige Leute wollen da spontan kochen und in letzter Zeit war ich viel in Restaurants in der Stadt, kann mal ein bisschen Abwechslung vertragen. Die Kochenden wechseln in letzter Zeit irgendwie auch wenig, habe ich den Eindruck.“
Ja, das liegt an dem Wetter und der Grippewelle, die Leute sind müde und nicht so motiviert neue Dinge zu machen. Außerdem gehen viele Menschen lieber essen, wenn sie krank sind und oft entscheiden sich die Leute in den Restaurants dann die zu versorgen. Dann ist manchmal wenig Zeit da, um neuen Kochenden beim Lernen zu helfen. Sag mal weißt du was das ist?“ Lu hielt eine kleines Metallstück hoch. „Es war vorhin wer da und sier hat es wohl unabsichtlich da gelassen, meinte wir bräuchten das zum backen?“
Keine Ahnung, scheint Metall sein. Nach Größe und Form zu urteilen scheint es zumindest kein Werkzeug zu sein, das ich kenne.“ Naja ich nehme es mal mit. Vielleicht bekomme ich ja, nach etwas Ruhe, Lust mehr darüber rauszufinden. Wegen heute Abend weiß ich noch nicht so. Und übrigens wir sollten daran denken auf der nächsten Versammlung zu besprechen wie viel Mehl wir brauchen. Ein*e Delegierte*r vom Großlager war heute hier und meinte die wüssten gerne, ob sie mehr einlagern sollten. Von denen kann wohl niemensch selbst zur Versammlung kommen.“
„Ich schreibe auf jeden Fall eine Notiz und versuche mit daran zu denken. Mach’s gut.“Mach’s auch gut“

Lu verließ den Laden und schlenderte auf den Heimweg noch ein wenig durch die Straßen. Zahlreiche Gedanken durchquerten Lus Kopf. Fragen bezüglich ihrsen Bedürfnissen gegenüber Dark. Wie würde es mit ihrer Beziehung weitergehen? Wie konnte sier die eigenen Wünsche formulieren ohne Druck aufzubauen?
Als sier später an die laute Person, die heute Morgen in der Bäckerei gewesen war zurückdachte, sann sier darüber nach, ob sier sier möglicherweise durch ihrses langes Reden verschreckt hatte? Sier kam zu keinen Schluss. Und was war „Geld“?

Wir sind friedlich, was seid ihr? (Gedicht)

Die deutsche Linke ruft: Wir sind friedlich, was seid ihr?

Die Geschichte schweigt

Die Zukunft hat nichts mehr zu sagen

Die Gegenwart verweigert sich jeder Antwort

Zyniker*innen wollen sie nicht sein.

Moralismus lässt keine Toten wieder auferstehen

Gute Medienberichte machen keine Revolution

 

Ich fühle mich kälter

Wir sind friedlich, was seid ihr?

Die Ertrunkenen im Mittelmeer antworten: Wir sind tot.

Wir sind friedlich, was seid ihr?

Enver, Abdurrahim, Süleyman, Habil erwidern: Wir sind tot.

Mehmet, İsmail, Theodoros, Mehmet, Halit stimmen zu.

 

Die Bilder in meinem Kopf werden noch düsterer.

Wo sind die Grenzen der Pazifist*innen?

Die Tore von Auschwitz – Eine bunte, vielfältige Demo:

„Wir sind friedlich, was seid…?“

Ich will nur noch schreien

Der vom Staat gesäte Mythos hat gesiegt

Und ich schreie: „Wir sind Mörder*innen, das sind wir:“

„Alle!“

Millionen sterben wegen unserem Gehorsam

„Liebe besiegt Hass.“

Liebe, die keine Risiken eingeht ist keine

 

Ich selbst bin manchmal nicht mutig genug

Aber ich halte keine*n zurück

Und meine Hölle ist kein Aufstand, sondern ein zerstörter Planet

Aufhören zu distanzieren und zu denunzieren, wäre das nicht der erste Schritt?

Revolution entsteht aus Selbstbewusstsein

Ankündigung: Wenn zwei Welt kollidieren – Kurzgeschichtenreihe

Als die Mauern zwischen zwei Welten, schwächer werden, spannen sich Pfade zueiander. Dort reisen Geschichten von einer Realität freien Zusammenlebens und die abgrundtiefe Utopie der Herrschaft. Für ein Aufhören des Alptraums und ein Aufwachen am wirklichen Morgen.

Wie ihr vielleicht in letzter Zeit schon mitbekommen habt, schreibe ich seit einiger Zeit vermehrt Kurzgeschichten. Ich habe mich nun entschieden mit einer neuen Kurzgeschichtenreihe zu beginnen. In den nächsten Monaten werde ich hier Geschichten aus zwei Universen veröffentlichen zwischen den auf einmal die Grenzen verschwimmen. Die eine ist ein Versuch den alptraumhaften Utopien, in denen wir uns bewegen, eine lebendige Wirklichkeit gegenüber zustellen.

Es geht also darum Anarchie zu beschreiben. Die andere Welt wird seltsamer und weniger wahrscheinlich sein, eine Traum sozusagen. Ich hoffe ihr freut euch. Ansonsten habt Mut zu euch und schreibt selbst über Anarchie, bis unzählige Phantasien eine neue Welt schaffen.

PS: Einer der Gründe weshalb ich mehr und mehr Versuche über etwas Anderes zu schreiben als Unterdrückung, Herrschaft und alles was ich und vielleicht wir nicht will/wollen, sind die Worte eines Menschen aus dem wunderbaren Buch Von der Demokratie zur Freiheit:

Today I know very few people who can imagine what anarchy might look like . The uncertainty is not the problem. […] The problem, rather, is that this lack of imagination constitutes a disconnection from the world. A vital part of ourselves is no longer there, as it used to be, on the cusp of the horizon, on the threshold between dark and light, discerning, modulating, and greeting each new character that comes into our lives. The world of domination no longer has to contend with our Worlds Turned Upside Down; the various forms of heaven and reward promised by the authorities no longer have to bear the ridicule of our Big Rock Candy Mountains; the great shadows cast by the structures of control no longer contain a thousand possibilities of all the things we could build upon their ruins—now they are only shadows, empty and obscure.Our prospects, however, are not irremediably bleak. Imagination can always be renewed and reinvigorated, though we must emphasize the radical importance of this work if people are once more to create, share, and discuss new possible worlds or profound transformations of this one. I would argue that this task is even more important than counter-information. Someone who desires revolution can always educate herself, but someone who cannot even conceive a transformation will be impervious to the best-documented arguments.

(From Democracy To Freedom Page 110f.)

Nationale Befreier*innen (Gedicht)

Gewidmet: Allen durch die Nationalsozialist*innen und Deutschland ermordeten. Gewidmet auch: Allen durch die USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich ermordeten und versklavten.

 

8.Mai

Wenn Linke wieder Nationalfahnen schwenken

Und ich Twitter nicht lesen kann ohne, dass mir schlecht wird

„USA, USA, USA!“

„Arbeiter nehmt die Gewehre…“

 

Hier stehe ich mit einigen wenigen in den Leichenhallen der Geschichte

Sehe auf die Gedenksteine von Erich Mühsam und Anne Frank

Anne Frank, die kein Land retten wollte

Dann ein Kontinent in Blut getaucht

Millionen vertrieben und vernichtet alles für die Weiße Vorherrschaft in Amerika

Ein anderer Kontinent

Millionen entführt und versklavt  – Alles für die Britische, Französische, US-Wirtschaft

Doch nicht-weiße Opfer zählen in der Szene nicht

Das Gefühl allen ins Gesicht schlagen zu wollen, die das verschweigen

Wo waren eure Erlöser*innen 1936 in Spanien?

Auf Seiten der Faschist*innen…

Und die haben gesiegt, denn

Denn es gibt kein anarchistisches Bewusstsein mehr

Kälte und Einsamkeit

 

Die nächste Leichenhalle

Gulags, die Revolution in der Ukraine, Kronstadt

Hitler und Stalin: Hand in Hand

Aber ihr sprecht von Befreiung

1945 – Befreiung in Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, dem Baltikum, Bulgarien,…

Für zahlreiche Deutsche, ob links oder rechts, sind „die im Osten“ immer noch Untermenschen

Wenn die Ideologie stimmt dürfen sie ermordet werden

Ein letzter Grabstein, die Aufschrift: Hier liegt die Verantwortung.

Faschismus und den Staat selbst bekämpfen?

Lieber Anbetung von Massenmörder*innen…

Ich setze mich hin und weine.

Der Autoritäre Charakter der deutschen Linken schmerzt.

Mein Herz zerreißt, dass auch vermeidliche Anarchist*innen Staaten feiern

 

Doch irgendwann stehe ich auf:

In unseren Herzen wächst eine neue Welt und ob es ein Jahrzehnt oder ein Jahrhundert dauert:

Die Nation wird sterben.

Und aus Einigen können Viele werden.

Und aus dem 8. Mai der 21. Juli.

Marx ist tot

Ich blicke in die Gesichter einer verlassenen Gegenwart

Alle Erinnerung ausgelöscht

Eine Welt, die vergessen hat

 

200-Jahre Widerstand vereinnahmt von einem Kult

China schenkt ihm seine Statuen

Sein Heiliger war kein Monster

Sein Heiliger war kein Heiliger

Doch wenn aus Menschen Götter gemacht werden

Folgen Leichenberge

 

Befreiung braucht unzählige Menschen

Ethel, Emma, Peter

Lucy, Errico, August

Wer erinnert sich noch?

Monokulturen verachten, aber selbst eine sein

Lieber betet die Linke einen Erlöser an, als viele Stimme zu hören

Die Ungläubigen durch den Staat ausschalten zu lassen ist sehr erfolgreiches Marketing

 

Jahrhunderte sind genug damit aus einem Gott wieder eine Mensch werden kann

Millionen Tote und zerstörte Revolutionen reichen, um den Kult für immer zu verabscheuen

Das Schwarz und das Rot ohne Hammer und Sichel oder P, S und D

Es sprießt wieder zwischen den Platten der betonierten Staatgläubigkeit

Der Zombie taumelt noch, aber bald haben wir genug Kraft ihn zu köpfen

Der Marxismus muss sterben

Damit Karl nur noch eine Stimme ist und die Freiheit leben kann.

Glücklich verliebt sein

Ich sitze hier müde und erschöpft – glücklich

Glaube manchmal alles sei nur ein Traum – zweifelnd

Dich zu treffen erschien mir so unmöglich – realitätsfern

Doch du reißt mich aus der Utopie – fühlend

Machst mich so sehr nach dir verlangen – begehrend

Revolution ich will dich, denke ich so oft – leidenschaftlich

Sehe den Sommer eine anderen Welt vor mir – lebendig

Afrin (Gedicht)

Unsere Welt befindet sich in der Schwebe:

Ein Stiefel, der für immer auf ein menschliches Gesicht niedertritt?

Oder das Scheitern der Regierungen?

Fällt, wenn Afrin fällt, diese Hoffnung?

Ich sehe Barcelona vor meinen Augen, kurz bevor die Republik einmarschierte

Übertrieben?

Ich weiß es nicht…

Kalte Herzen überall:

Karriere, Haus, Erfolg

Zombies, die durch die kommende Apokalypse rennen

Der kurdische Widerstand wie ein kleine Pflanze in der Wüste

 

Was immer geschieht: Lasst die mutigen Menschen nicht allein!

Unsere Beziehungen, unsere gegenseitige Inspiration

Neue Keimlinge

 

Wenn in der größten Sozialdemokratie der Welt Unkontrollierbarkeit entstehen kann

Oder nur ein Hauch davon

Dann

Dann gibt es vielleicht Hoffnung

Der Frühling wird es zeigen

Halte stand freies Afrin!

Wunderbare Welt (Gedicht)

Misan…

Ach, ich lasse mich nicht ablenken

Ein Sommerabend

Von warmer Röte in die Nacht

Tausende faszinierende Menschen

Millionen Ideen

Bewegung in alle Richtungen

Und der Duft von Lavendel

Und Grillkohle

 

Dort, wo Reisende Armut nicht mehr finden können

Wo es kein Zentrum mehr gibt

Ich liebe

Ich lache

Ich nehme dich in den Arm:

Dort draußen ist die Welt, die wir geschaffen haben.

Schuld (Geschichte)

Graue Gestalten stehen vor dem Gerichtssaal, müde Figuren sitzen auf den Stühlen. Es erhebt sich der Angeklagte. Seine Worte sind zunächst zitternd: „Ich bekenne mich schuldig.“ Der Richter lächelt ihn an, gewiss scheint ihm der Sieg über das subversive Element.

Dann gewinnen die Worte des Angeklagten an Kraft: „Ich bekenne mich schuldig nur diesen einen Stein geworfen zu haben und das erst jetzt, nur heute meine Stimme zu erheben und nicht schon gestern. Ich bin schuldig jeden Tag in den Supermarkt gegangen zu sein und gezahlt zu haben. Ich bin schuldig den Glauben an ein System erhalten zu haben, dass jeden Tag Milliarden von Menschen ausplündert. Ich bin schuldig…“

Ein weitere Stimme wird laut, eine Person ist von den Besucher*innenplätzen aufgestanden:„Ich bekenne mich schuldig diesen Menschen, der heute vor Gericht steht, nicht mit aller Kraft meines Herzen gegen die Gewalt des Staates verteidigt zu haben. Ich bekenne mich schuldig, mein Leben lang den Irrtum gestärkt zu haben es müsse Gerichte geben und Gefängnisse…“ „Und Polizist*innen“ eine Weitere ist aufgestanden. Immer mehr Menschen erheben sich: „Und Politiker*innen“ „Und Grenzen“. Von außerhalb des Saales sind ebenfalls Stimmen vernehmbar: „Ich habe das Verbrechen begangen ohne Bolzenschneider eine Grenze überquert zu haben.“ „Und ich nie in Frage gestellt zu haben, was mir meine Eltern und meine Lehrer*innen erzählt haben.“ Im ganzen Gebäude entsteht eine berauschende Lautstärke. „Und meine Dozent*innen“ „Und mein Boss“ „Ich habe meine Steuern gezahlt“. Die Menschen, die vor dem Gebäude standen, dringen nun herein, drücken die Wächter*innen an den Schleusen zu Seite. Es donnert: „Wir bekennen uns schuldig!“

Ein Donnern im Sturm. Die Menschen sammeln sich vor den Gerichten, den Polizeistationen, den Arbeitsämtern, den Bossen. „Wir bekennen uns schuldig, wir sind schuldig gehorcht zu haben.“

Die Parole, die der Grabspruch einer jeden Regierung ist, sie ertönt von den blutgetränkten Hallen der Universitäten, Schlachterreibetrieben der Büros, den Leichhallen der Verwaltungstellen bis hin zu den Folterkammern der Schulen, verdichtet sich zu einer Alles sprengenden Unendlichkeit. „Unsere Schuld ist größer als jedes Wort.“, formulierte sich in den Köpfen, das Unaussprechliche wird wieder unaussprechlich. Die Schuldscheine fallen ins Bodenlose, an den Börsen der Moral fliehen die Gläubigen in Panik. Der letzte Idealist wälzt sich schreiend auf den Boden.

Dann ein Knall: Trommelfelle, die von innen zu bersten scheinen. Ketten, die über Jahrtausende geschmiedet wurden, zerschellen. „Nie wieder Gehorsam.“ Der Richter steht auf und rennt davon – Es gibt keine Urteile mehr zu sprechen – dann bleibt er stehen und beginnt zu weinen, über verlorene Lebenszeit. Aus Grau wird Bunt, aus Masse wird Mensch. Farben zieren die alten Bauten. Irgendwer beginnt zu tanzen, zu lachen, zu essen.

„Wir alle sind schuldig, so schuldig, dass wir uns jeden Tag dafür selbst hassen. Doch mit jeder Anklage, der wir uns unterwerfen, wird diese Schuld noch größer bis der Selbsthass jede Kraft zu Veränderung raubt. Der einzige Ausweg ist die Idee der Schuld und die der Unschuld aufzugeben. Dann werden wir durch unseren verbrecherischen Egoismus wieder Menschen statt Richter*innen und Angeklagten begegnen.“ – Ein*e besorgte Egoist*in