Phönix (Gedicht)

In den Gulags

In den Konzentrationslagern

In den Knästen

Sie wollten uns einäschern

Staatskommunist*innen

Faschist*innen

Demokrat*innen

Jede*r Vernichtete unersetzlich einzigartig

Doch die Idee lebt weiterhin

 

Anarchismus solltet für immer getilgt werden

Nie wieder ein Denken jenseits der Grenzen von Nationen

Aber sie sind gescheitert

 

Zwei-Drittel Jahrhundert ohne Hoffnung

Es ist Zeit zurückzuschlagen gegen den Dualismus von Imperium und Rebellenallianz

Eure Kriege sind so langweilig, so traurig

Wir werden den letzten Jedi töten

Der Phönix erhebt sich

Feurige Flügel künden vom Sturm

Die Zukunft wird schwarz

Heilung (Gedicht)

Überall der Krieg

Wir schreien uns an

Wo ist die Ruhe?

Wo die Stille oder säulsende Musik, die uns an andere Ort bringt?

Es geht immer nur darum wer Recht hat – nie was uns wichtig ist

Oder was uns gut tut…

 

Ich suche Gefährt*innen, die Mut haben aufzubrechen

Raus aus dem Krieg und dem Schmerz

Schmerz gehört zum Leben, aber er darf es nicht bestimmen

Wo seid ihr?

Dort draußen in der Nacht?

Ich habe letztens das Wort Heilung wieder gehört…

Nach so langer Zeit…

Es lässt mich wünschen über die Großartigkeit der Menschen zu reden

Über die Schönheit unserer Welt

Der Schmerz ist gerade zurückdrängbar

Mit Tanzen nicht mit Kämpfen

Trippel, Trippelschritt

Ich erahne den Sommer wieder im Winter

Einsame Tage sind in meinem Herzen nur noch Wochen keine Monate mehr

Ich atme manchmal tief und lache stark

Der Ozean, der ich bin, verliert die Angst vor seiner eigenen Kraft

Heilung ich habe Hoffnung auf dich

In der Ferne ein friedliches grünes Tal mit einem Fluss.

Bar (Geschichte)

Das Piano spielte leise. Sie sah auf ihren Notizblock herab, durchblätterte die Zeichnungen. Dann griff nach sie nach ihrer Aktentasche und nahm die Mappe mit Skripten heraus. Sie lass noch einmal und begann sie zu zerreißen. Der Traum war ausgeträumt. Sie nahm einen kräftigen Schluck Ginger Ale. Er war schon lange ausgeträumt. Seite für Seite zerstörte sie und damit zerfielen die Welten in ihrem Kopf. Raumschiffe waren zwischen ihnen gereist, bewohnt von den Held*innen ihrer Kindheit. Voller Idealismus waren sie gewesen.

Atemberaubende Technologien hatten die Probleme der Menschheit gelöst: Hunger und Armut waren nur noch ein Schatten aus der Vergangenheit. Grenzen gab es nicht mehr, alle Staaten hatten sich vereint, um das Unbekannte zu erforschen. Tapfere Frauen und Männer hatte sich in ihren Dienst gestellt, beseelt vom Ideal der Freiheit und der Vielfalt.

Sie schmunzelte. Sie waren fremden Lebensformen und neuen Zivilisationen begegnet, Freund*innenschaften waren entstanden. Einige verrieten ihre Ideale, doch die anderen blieben stets dem treu, was sie sich vorgenommen hatten..

Sie trank einen weiteren Schluck. Dann gab es Krieg und die Offizieren*innen verteidigten ihre Heimat, schützten die Freiheit gegen einen übermächtigen Feind. Der Feind war nicht an sich böse, aber er musste bekämpft werden, um die eigene Lebensordnung zu gewährleisten. Pläne wurden geschmiedet und ausgeführt. Die Schlachten waren heroisch, manchmal auch düster.

Nationen wurden aus Blut geschaffen und mit Blut erhalten. Was war daran schlimm, wenn es ehrenvoll war und ein Paradies geschützt wurde? Früher hatte sie diese Frage mit einen klaren Nichts beantwortet. Befehlsempfänger*innen, das waren ihre Held*innen gewesen.

Langsam kam sie an bei den letzten Blättern an, der letzte Entwurf einer Phantasie.
Sie stockt und dann war es als ob eine Stein von ihrem Herzen fiel. Ihr Herz und ihr Verstand waren frei für Neues. Sie nahm tiefe Züge und musste von dem Ingwer husten. Das Glas war nun leer und sie bestellt ein Weiteres.

Wohin sollte sie aufbrechen. Sie streifte durch ihren Kopf. Welcher Traum war noch nicht ausgeräumt? Zeit verstrich und die Musik in der Bar veränderte sich, wurde atmosphärischer.
Sie schuf Sommertage mit warmen Nächten in ihr und ließ Herbstblätter tanzen, sie spiegelte Welten aus Eis bis ein Frühlingswind ihr den Weg fort wies. Doch diese Orte, diese Welten waren zu sicher. In die Musik gelangte Dunkelheit, Ungewissheit und vielleicht auch Ewigkeit. Alles öffnete sich. In der Fern hörte sie Trommel und Trompeten. Die Trompeten wurden leiser, die Trommeln wurden lauter. Sie veränderten sich zu Stiefelschritten und Hammergeräuschen. Wer hat all diese Paläste geschaffen, von denen sie einst geträumt hat? Sie began zu schreiben:

„Gestern habe ich in den Archiven einige alte Dokumente gelesen Es ging um eine Frau sie hieß Lucy und ihr Mann wurde vor fünfhundert Jahren ermordet, weil er Menschen dazu aufrief die Arbeit niederzulegen. Während der Nachtschicht entschloss ich mich den Konverter in der Erzverarbeitung so zu modulieren, dass er durchbrennt. Es hat sich hervorragend angefühlt. Zur Untersuchung der Ereignisse schickte der Kommandeur der Station heute seinen Sicherheitschef. Niemand äußerte sich, als er uns Fragen zur Zerstörung des Konverters stellte. Jetzt überlege ich, ob ich die anderen überzeugen soll, dass wir die Arbeit niederlegen, sobald die Produktion weitergeht, so wie Lucy und ihr Mann es getan haben. Dann könnten wir Forderungen an den Stationsleiter stellen.

Was für Forderungen? Oder sollten wir überhaupt Forderungen stellen? Wir könnten auch versuchen die Sicherheitskräfte zu überwältigen und die Station übernehmen…“

Seite um Seite entwich ihren Stift in die Weiten des Alls. Irgendwann stoppte sie und überflog das Geschriebene. Die Geschichte gefiel ihr, doch etwas schien noch zu fehlen. Sie überlegte. Dann setzte sie noch ein paar Zeilen an den Anfang: „Space – the final frontier. These are the fights of the oppressed. They are continuing their struggle: to sabotage strange new methods of control, to seek out new ways of resistance and to create new concepts of a life without hierarchies, to boldly throw a stone on the police where no one has thrown a stone before.“

Glück (Gedicht)

Glück ist das, was jeden zerstört werden soll und was jeden Tag zerstört werden muss

Glück ist das, was ich nicht zerstören lasse an mir

Glück ist das, was ich so sehr erkämpfe wie ich es nur kann

Glück ist:

Nicht bezahlbar mit allem Geld dieser Welt

Denn es bedeutet lebendig zu sein

Es bedeutet sich fühlen zu können

Manchmal ist es nur Zufriedenheit

Aber selbst das ist so wertvoll

So wertvoll, dass ich keine Stunde dafür arbeiten würde

 

Glück kommt aus Dingen schaffen

Aus Beziehungen erleben

Aus Schönheit genießen

Aus in dem Moment sein

Aus Verbundenheit

 

Glück

Das sollen wir jeden Tag ausgetrichtert bekommen

Durch Versionen der Zukunft

Durch Karriere, Familie, Auto, die Werbung

Die Versprechungen von einer sicheren Zukunft

Ja sogar von Glück

 

Doch nein

Das ist nur Ablenkung

Das ist nur die Zerstörung unseres Glücks

Das Aufschieben in eine unerreichbare Zukunft – keine nahe Gegenwart

Nein

 

Das soll uns laufen lassen im Hamsterrad

Uns in die Betriebe treiben

In die Universitäten

In die Schulen

In all die anderen Orte, wo wir arbeiten um zu zerstören

Zu zerstören was Andere lieben

Zu zerstören was wir selber lieben

 

Wir sind die Bestie – Die Bestie die unser Leben zerstört

Unser Gehorsam

Genau das zerstört uns

Genau das ist was uns nicht mehr glücklich sein lässt

 

Ein Planet in Ruinen

Nicht, weil wir es gebraucht hätten

Nicht, weil wir es gewollt hätten

Nein, weil wir uns es nicht mehr vorstellen konnten wie es anders sein könnte

Doch das wird nicht passieren

Denn wir kämpfen um das Glück

Jeden Tag um ein Lächeln mehr

Jede Minute um ein kleines getanztes Stück Weg

Der Zentimeter

Ein Zentimeter uns zu bewegen

Ein Zentimeter weiter die Autorität zu zerstören

Ein Zentimeter raus aus der Hoffnung darauf, dass Andere das für uns tun werden

Und dann nicht nur ein Zentimeter!

Nein, einen Meter!

Und hunderte Meter!

Und einen Kilometer!

Bis wir nicht mehr laufen können, weil uns die Füße so wund sind, aber wir dabei lachen.

Selbst wenn uns die Handschellen angelegt werden

Selbst wenn wir eingesperrt werden

Wir lachen.

Und wir dürfen dieses Lachen nicht aufgeben

Selbst unter den Schlägen

Den realen

Und den nicht so realen, aber dennoch daseinden

Oder denen, die wir einfach nur erleben, weil sie in unserem Kopf sind

 

Glück, das kriegt ihr nicht mehr aus uns raus!

Und wenn es nur noch selten das ist: Es bleibt!

Denn wir haben gelernt was es heißt glücklich zu sein

An den schönen Orten, die wir uns geschaffen haben und die wir uns auch noch schaffen werden!

Glück, das ist die schärfste Waffe

 

Die

Wir haben.

Denn sie erinnert uns daran:

An all das was wir nicht wollen

An all die Minuten

In den Schulen

In den Universitäten,

Den Ausbildungsorten

Den Fabriken

In den Büros

In den Ämtern

In den Knästen

 

Keine Bürokratie kann uns Glück verordnen

Keine Bürokratie kann uns Glück geben

Keine Regierung kann es tun

Der Markt verspricht es uns

Doch auch daran glauben wir nicht mehr

Auch das kündigen wir auf

Ihr meint eure Verträge lassen uns nicht raus?

Wir verbrennen sie!

Und die Feuer, die schaffen Freude in uns

Denn sie lassen die Welt wieder erstrahlen

Und sie sind weniger schlimm als all die Brände,die die Unglücklichkeit schafft.

Als all die Wälder, die vernichtet werden

 

Glück, das wird uns heilen

Das wird Beziehungen schaffen für die wir lieber Jahrtausende leben würden

Oder Jahrhunderte zumindest

Das wird Beziehungen schaffen, die uns unendlich lassen leben wollen

Beziehungen, die uns gleichzeitig zufrieden sterben lassen

Denn wir wissen, dass wir getan haben, was wir konnten

Dass wir Verbindungen geschaffen haben

Dass wir nie alleine waren

 

Euer Vakuum der Rechte

Euer Glaube daran, dass wir uns voreinander schützen müssen

Dass wir Angst voreinander haben müssen

All diese Staatlichkeit

All diese Politik

All dieses Linke, Rechte

Wir brauchen das nicht

Denn wir haben Glück

Wir haben Solidarität

Und wir haben Verbundenheit

 

Glück, das heißt jetzt aufzuhören zu sprechen

Und in den Moment zurückzukehren

Jenseits von ich will beeinflussen

Jenseits von ich will, dass meine Stimme gehört wird

Denn ich will jetzt leben

Auf Wiedersehen.

Ich bin noch hier wegen Euch I am still here because of you

(First German – English below)

Zwei Jahre vor den Schienen

Zwei Jahre stand ich, aufgrund meiner körperlichen Einsamkeit (mehr zu meinen Gefühlen damals hier), davor mir das Lebens zunehmen. Wenn ich am Bahnhof am Gleis stand, war es immer ein Kampf nicht zu springen. Ich plante, falls ich bis ich so und so alt war keine körperlichen Erfahrungen gemacht hätte, mich zu töten. Ich sah mich Abschied nehmen von meinen Geliebten. Auch wenn meine körperliche Einsamkeit weiterbesteht, ist diese Zeit zum Glück vorbei. Ich weine auch nicht mehr zweihundert Nächte im Jahr und schlafe öfter gut.

Ich bin noch hier wegen Euch – Danke, dass ihr mein Leben gerettet habt.

Viele Menschen sagen die anarchistische Bewegung hätte nichts Bedeutsames erreicht, ich kann sagen nur durch viele Menschen aus ihr wurde mein Leben gerettet. Und diese Menschen sollten das wissen, denn für mich bedeutet meine Existenz die Existenz von allem. Und für mich haben sie dadurch Alles verändert. Darunter zwei Genoss*innen und eine Freundin, die immer für mich erreichbar war als es mir schlecht ging. Unsere hunderten Gespräche haben mich immer ein kleines Stück aus der Leere gerissen. Unendlichen Dank auch an CrimethInc., die mir mit ihren Texten den Glauben an ein anderes Ende der Welt bewährt haben. Noch mehr Dank an den Ex-Worker und das Anarchistische Radio Berlin für die Stimmen, die mir einen Halt in der Finsternis gaben.

Abschließend dank an eine Genossin, die mir einmal von einem Genossen erzählte, der auf Veranstaltungen den Menschen dankte dass sie noch hier sind. Ihr beide habt mir das Gefühl geben dort draußen denkt jemensch an alle, die vor dem Sprung stehen.

Liebe und Anarchie für alle, die darüber nachdenken sich das Leben zu nehmen.Eure Gedanken sind keine Schande und wir sind für Euch da wenn ihr hier bleiben wollt.

 

Two years in Front of the tracks

For two years I stood only a step away of taking my live, because of my physical loneliness.

When I was at the train station it always was a fight to don’t jump. I planned, if I reach a certain age and I wouldn’t make physical experiences, to kill myself. I saw myself say farewell to my loved once.

Despite that my physical loneliness continues, this time is luckily over. I also don’t cry two hundred nights in a year and often I sleep better.

I am still here because of you – thanks for saving my life.

A lot of people say the anarchist movement hasn’t archived anything important. I only can say because of a lot of people inside of it my life was saved. And these people should know it. For me my existence means the existence of everything. And for my through this they changed everything. Among those were two comrades and a friend, who I always could contact, when I felt bad. Our hundreds of talks always toke my a bit out of the emptiness.

Endless thanks to CrimethInc., who with their texts preserved my believe that another end of the world is possible. Yet more thanks to the Ex-Worker and the Anarchist Radio Berlin for the voices, that gave my a hold in the darkness. To conclude thanks to a comrade, who told my about another comrade who thanked people at events that they are still here. You both gave me the feeling that there is someone thinking of the people who stand before the jump.

Love and anarchy to all who are thinking about taking their lives. Your thoughts are not a shame and when you decide to stay we will be here for you.

Geküsst zu werden (Gedicht)

In wie viele Träumen?

In wie viel Hoffnungen?

In wie viel der Schmerz-Hört-Auf-Situationen?

Habe ich es mir vorgestellt…

 

Es muss schön sein

Es muss schön sein einen Menschen so zu spüren

Es muss schön sein sich nah zu sein auf diese Art

 

Ich habe Nähe, aber nur ein bestimmte Art

Ich rede viel über Beziehungen und gebe Menschen Rat

Doch

 

Geküsst zu werden

Das wäre so schön

Das wäre…

Also ob ein Jahrzehnt endet

Ein Jahrzehnt von Einsamkeit

Als ob das Vakuum um mich – meinen Körper zu Ende wäre

Ist das ein Traum?

Ist das Einsamkeit für Immer?

Heißt das Einsamkeit für immer?

Das sind Ängste

Ängste über die keiner spricht

Die Angst nicht männlich zu sein oder eher nicht männlich genug

 

Dieser elendige Wettbewerb

Das Gefühl es nicht aushalten zu können und es weiter auszuhalten

Und immerhin will ich dableiben jetzt

Immerhin will ich nicht mehr gehen

 

Geküsst zu werden, das wäre so schön.

Du Bist Nicht Allein (Gedicht)

Allen Menschen, die hinter Gefängnismauern noch viel größere Einsamkeit erleben, als wir es in der kapitalistischen, staatlichen und patriarchalen Gesellschaft tun.

Du bist nicht allein

Ich bin hier

Du bist nicht allein

Lasse das immer durch deinen Kopf gehen

Du bist nicht allein

Genau das Gegenteil erzählen sie dir jeden Tag

Aber du bist nicht allein

 

Regierungen

Autoritäten

Sie alle wollen, dass du mich nicht mehr wahrnimmst

Nicht mehr das Gegenüber siehst, nicht mehr das andere Ich

Du bist nicht allein, sage ich dir hier

Und du musst es wahrnehmen

Du musst ausbrechen

Auch ich fühle mich allein

Auch ich fühle mich verlassen, verloren

Aber ich sage dir:

Du bist nicht allein

Du bist nicht allein

 

Einsam die Stimme aufzuzeichnen

Auch das ist allein

Aber es muss nicht allein sein

Wenn wir anfangen zu reden

Es muss nicht allein sein

Wenn wir anfangen einen Stuhl zu mache n, einen Tisch, einen Schrank, Essen zu kochen

Wenn wir anfangen grüne Pflanzen zu pflanzen

Du bist nicht allein

Ich begegne dir überall

Und ich bin hier

Und ich bin dort

Und ich werde überall sein

Die Frage ist wie du mich findest?

Aber du bist nicht allein

 

All die Lügen, alle den Glauben, all das was dir dauernd erzählt wird

Du bist nicht allein

Kann ich nur sagen

 

Sie haben die Hoffnung in dir zerstört

In mir auch

Du bist nicht allein

Anarchismus (Gedicht)



Anarchismus ist wie Atmen

Ich kann nicht ohne ihn oder es

Ich glaube nicht daran, dass 

Verzweiflung mein ganzes Leben bestimmen soll 

Denn wo führt uns das hin? 

Vielleicht in die kalten düsteren und verlassenen Räume der AZs

Verlassen von den Menschen, auch wenn sie da sind:

Zusammenhängend, darniederliegend 

Auf den Tresen gebeugt, die Flasche in der Hand



Ich will kein Misanthrop sein

Misanthropismus

Das hätte ich tausendmal Mal haben 

Hätte ich eine Millionen Mal sehen können

Hätte ich eine Millionen Mal erfahren können

Doch, ich habe mich anderes entschieden

Jeden Tag, jede Minute, durch die Katastrophe meiner eigenen Welt 

Und meines eigenen Lebens, der großen Katastrophe 

Die Katastrophe, die uns umgibt jeden Tag und jede Minute 

Aber ich will keine Katastrophe 

Ich will irgendwann,

Ich will irgendwann angekommen sein 

Außerhalb ständigen Wegziehens, 

Der ganzen, der ganzen..., der ganzen Abwesenheit 



Karriere, fremde Länder – die Projektionsflächen von Generationen 

Von meiner Generation? Von denen davor, auch vielleicht? 

Aber das will ich nicht mehr...

Meine Träume sind hier 

Sind bei den Menschen, die mir wichtig sind

Sind bei den Menschen, die mich gehalten haben

Die mich halten werden 

Und sind am Ort, wo ich lebe, in den stillen Momenten

In den schönen Momenten, den lauten Momenten, den lachenden Momenten



Ich glaube nicht mehr dran

An all die linken Versprechungen 

Ihre Utopien

Ihr Glaube an den StaatTausend Jahre bis der Mensch besser werden muss.“ 

Welche Zukunft habe ich dann noch? 

Der Klimawandel wartet nicht zweihundert Jahre oder tausend

Oder was auch immer man braucht, um durch Autorität bessere Menschen zu schaffen!

Wahrscheinlich eine Ewigkeit...

Ich will jetzt und hier eine andere Welt

Ich will jetzt und hier Revolution 

Ich will jetzt und hier Freiheit 

Ich will jetzt und hier aus dem Vakuum ausbrechen, das die Gesellschaft jeden Tag um uns schafft

Ich will... ich sein können



Links 

Das ist dieser komische Gedanken

Dieses komische: „Gleichheit kommt durch Zwang.“Gleichheit kommt durch Hierarchie.“

Links das ist auch ein Aufgeben 

Manche Freunde von mir sind links 

Manche Freund*innen von mir sind links 

Aber...

Für mich... Was heißt das eigentlich?

Sind sie es wirklich? Sind sie es nicht? 

Ich habe zu viel Hass erlebt

Zu viel Verzweiflung 

Zu viel Sich-Aufgeben 

Zu viel kaputt sein ohne bereit zu sein weniger kaputt zu werden 



Links

Das ist alles was ich nicht als Anarchismus will 

Links

Das ist alles was einen verzweifeln lässt, wenn man etwas verändern will



Anarchismus 

Hoffnung

Falsche Hoffnung?

Das ist schwer zu sagen

Doch es ist besser zu versuchen irgendwas zu formulieren als

Zu schweigen

Und es ist besser Hoffnung zu behalten als sich selbst aufzugeben 

Doch auch das ist vielleicht ist zu kopflos

Auch das ist vielleicht zu ungeplant

Zu unverbindlich

Zu unstrategisch 

Zu links

Oder auch vielleicht gar nicht links, sondern einfach nur gesellschaftlicher Wert von Beliebigkeit 

Von „Alles kann.“ und gleichzeitig ist es klar:

Es kann nur Demokratie 

Es kann nur Herrschaft

Es kann nur Kapitalismus 



Ich will kein Kapitalismus 

Ich will kein links, das mir sagt der Staat wäre schön, der Staat wäre gut.

Ich will keinen Staat und ich will Veränderung jetzt 



Anarchismus 

Ein letztes Mal zurückkommen

Diese Welt macht mir Angst 

Doch mehr Angst macht mir


Dass wir nicht stark genug sind

Dass wir nicht kämpferisch genug sind 

Dass wir nicht solidarisch genug sind

Dass wir... nicht genug

Nicht genug umsetzen und uns nicht genug festhalten 

Nicht genug füreinander da sind und nicht genug die Mauer durchbrechen,

Die durch Jahrzehnte geschaffen worden, in denen wir uns aufgeben haben

Oder ihr?

Ich weiß es nicht. 

Aufstand (Kurzgeschichte)

Wellenrauschen. Der Horizont sieht düster aus. Er blickt ein letztes Mal dorthin, dorthin wo die Freiheit hätte sein können. Damals als die Wogen noch nicht so hoch standen, damals als die Welt gerade aus den Fugen geriet, als noch unklar war wer fallen würde.

Atmen. Langsam näherten sich Geräusche, noch fern. Er versuchte die Gegenwart wegzuschieben, um sich in der Vergangenheit zu finden.

Berauschend war der Tanz in der schwankenden Welt gewesen, trotz der Angst. Es war laut eingeläutet worden das Ende vom Ende der Geschichte. Waren die Wahlen in den USA der Anfang gewesen? Die Abstimmung in Großbritannien über den Austritt aus der EU? Oder die Unruhen während G20 in Hamburg? Auf einmal schien alles möglich zu sein: Revolution oder Steigerung der Katastrophe. Staat und Kapitalismus ein Ende setzen oder sich von ihnen beerdigen lassen.

Sie hatten gekämpft auf den Straßen, in den Köpfen, in den Herzen. Liebe und Solidarität waren jetzt nur noch ein Schatten der Erinnerung, die letzten Jahre waren einsam gewesen. So einsam umringt von dem Hass, kein befreiender Hass auf die Herrschaft und ihre Institutionen, sondern Hass auf Menschen.

Der Hass hatte gesiegt, beschützt von zu viel Glauben an „das Schlechte“ im Menschen, an Führer*innen und Regierungen.

Liebe und Nähe. Ein kleines Lächeln auf seinen Lippen. Die Geräusche kamen näher. Er verdrängt sie weiter.

An Erfolgen hatte es nicht gefehlt, trotzdem es waren zu wenige gewesen. Seine Faust ballte sich wie früher als er einfach auf die Mauern eingeschlagen hat. Die Mauer…

Es war ein schöne Mauer gewesen, umrangt von Efeu mit einem A im Kreis drauf. Das A im Kreis, wann hatte er das letzte Mal eines gesehen? Seit dem sie es ausradierten.

Anarchie ist Ordnung im Chaos und dem Terror der Herrschaft, war selbst das verloren gegangen.

Wellenrauschen.

Verloren war auch das grüne Gras, niedergequetscht unter den Pipelines, erstickt im Smog der Städte und niedergemäht von den Panzern. Diese Gefühl am Fuß, diese Zärtlichkeit.

Leere. Starre.

Die Geräusche waren nicht mehr weit weg.

Er wehrte sich und besann sich zurück. Sojaschnitzel mit Hefeflockensoße, Lachen, Alex und er am Tisch, seine Liebe zu ihm. Wärme und Nähe bis sie ihn erschossen hatten.

Dann war er zu einem kurzen Artikel in der Zeitung geworden. Faschist*innen, die mordeten, waren nicht viele Wort wert, anarchistische Leben noch weniger. Irgendwann hatten sie ganz aufgehört über die Extremist*innen zu schreiben.

Wenn ein Terrorist verhaftet wurde oder verschwand, dann war das gut. Seinerzeit hat die Hoffnung aufgehört, war die kalte Starre gekommen.

Vielleicht…

Vielleicht…

Wenn nur ein paar mit dem System gebrochen haben, ein paar kleine Risse in der Mauer der Unreißbarkeit…

Jetzt waren die Motorgeräusche nur noch knappe 50 Meter von ihm entfernt. Das heißt sie müssen hinter der Düne sein.

Es war zu Ende. Eine Träne lief sein Gesicht herunter.

Er hatte dem Leben ein Moment Schönheit abgerungen, er wünscht sich einen weiteren.

Etwas keimt in ihm auf: Ein Bild, ein Bild vom dem Aufkleber. Der erste anarchistische Aufkleber, den er bewusst wahrgenommen hatte. Alex hatte ihn ihm gezeigt, er hatte sich ein Packung bestellt. Schwarz-Roter Hintergrund auf dem stand: „Abolish Capitalism – für ein Leben, Lieben und Lernen in Freiheit.“ Neben der Schrift eine Sonnenblume mit einem A zwischen den Blütenblättern.

Jetzt waren Stiefelschritte zu hören. Eine weitere Träne.

Alex hätte nicht gewollt, dass er aufgab. Aber was Alex wollen würde war nicht wichtig. Es ging nicht um Alex. Niemensch sollte über sein Leben bestimmen, er würde keiner Autorität gehorchen. Das hat er versucht nie zu tun und jetzt würde er es auch nicht tun. Die Wut, der Zorn und das brennende Verlangen nach Freiheit kehrt zurück. Ein letzter Aufbruch, ein letzter Moment der Selbstbestimmung…

Er begann sich zu bewegen, sah das Wasser vor ihm und sprang hinein und schwamm los. Ich werde schwimmen dachte er und wenn es nur für diesen Augenblick des Aufstands ist. Seine Verfolger*innen gaben Schüsse ab. Kugeln trafen das Wasser. Er schwamm.

„Entscheide dich endlich!“ – Feindlichkeit und Unsichtbarmachung gegenüber nicht – monosexuellen Menschen (Bi, Pan, Queer)

21. Oktober 2016
19:00

Am 21.10. halte ich einen Vortrag im Black Pigeon in Dortmund (Scharnhorstr. 50). Das Ganze beginnt um 19.00 Uhr:

„Entscheide dich endlich!“ oder „Bisexuelle gibt es doch gar nicht“ – Die Erfahrung von Feindlichkeit und Unsichtbarkeit ist eine welche viele nicht-monosexuelle Menschen teilen. Nicht-monosexuell sind alle Menschen, die nicht „nur“ ein „Geschlecht“ anziehend finden. Diskriminierung ihnen gegenüber findet nicht allein von Heterosexuellen statt, auch Lesben und Schwule grenzen sie oft aus. Das hat zu Folge das Bi-, Pan- und Queermenschen in vielen Ländern sich häufiger das Leben nehmen, mehr psychische Probleme haben, häufiger sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind und auch ärmer sind als Lesben und Schwule.

Der Vortrag setzt sich teilweise aus persönlicher Perspektive mit den gesellschaftlichen Zusammenhängen dahinter auseinander. Dabei werden unter anderem folgende Fragen gestellt. Welche Formen hat die Feindlichkeit- und Unsichtbarmachung von nicht-monosexuellen Menschen? Wie unterscheiden sich die Diskriminierungserfahrungen von nicht-monosexuellen „Frauen“ und „Männern“? Warum ist eigentlich Sex zwischen zwei “Frauen” und einem “Mann” gesellschaftlich viel akzeptierter und präsenter als Sex zwischen einer „Frau“ und zwei „Männern“? Wie hängt Unterdrückung von nicht-monosexuellen Menschen
mit anderen Formen von Herrschaft und Unterdrückung z.B Sexismus, Patriarchat zusammen? Was können wir gegen ihre Diskriminierung tun?

Nach dem Vortrag gegen wird es eine offen Diskussion geben, um sich weiter über das Thema auszutauschen.